Seit Donnerstag waren ADI64, Nico und ich auf Rocco del Schlacko, das ist ein Festival irgendwo bei Saarbrücken in der Nähe. Da Adrian schon einen durchaus langen Blogpost hingelegt hat, mache ich es mir einfach und zitiere, kommentiere und vervollständige seinen aus meiner Sicht (Nein, dadurch wird er nicht kürzer). Alles in eckigen Klammern innerhalb der Zitate stammt von mir.
Donnerstag
Nico aus meiner Klasse, ein Freund von etwas weiter her [hier] und ich [Adrian] kamen in Herchenberg an. Nach allgemeiner Verwirrung durch die undurchsichtige Beschilderung (Das “No Way” Schild galt nur für die Autofahrer, Fußgänger sollten diesen Weg nehmen) ging es eine knappe Stunde durch den Wald bei strömendem Regen, wobei die Vorfreude angesichts des Wetters etwas nachlies.
Neben dem Wetter lag es einfach an meiner unpraktischen Tasche, die fast nur ein Zelt beinhaltete und verdammt schwer war. Um die Schulter schnallen konnte man diese im Gegensatz zu der Tasche vom Adi auch nicht (wobei ich am Sonntag dann einfach meinen Gürtel rangeknotet habe, mit dem es dann ging). Nico hatte einen gescheiten Koffer mit Rollen, Adi und Nico hatten jeweils noch einen Rucksack.
Das Einchecken und Bändchendrücken funktionierte reibungslos. Beim Anblick des Campingplatzes waren wir erstmal sprachlos: Für uns Festivalneulinge sah es schon am Tag vor dem eigentlichen Festival eher wie eine Kleinstadt aus, in der Anarchie herrschte. In der Partyarea ging am Abend schon die Aftershow-Party ab für Alle, die es nicht mehr abwarten konnten oder vom Schleppen des Gepäcks durch den Matsch noch nicht genug gebeutelt waren.
Kleinstadt kommt hin, wenn auch sehr dicht besiedelt (Freitag kamen noch mehr Zelte dazu). Aber dass da Anarchie herrschte, würde ich nicht sagen. Schließlich gab es sehr wohl Regeln, die ja teilweise auch eingehalten wurden. Donnerstag war der einzige Tag, an dem sich die Partyarea gelohnt hatte, an den anderen Tagen waren wir alle von den Konzerten schon genug fertig (die dauerten ja auch ca. acht Stunden pro Tag). Leider konnte man am Donnerstag keine Ohrstöpsel kaufen (unter dem Redbull-Zelt, bei dem die Musik lief, war es auch schon sehr laut meiner Meinung nach), das ging nur auf dem Festivalgelände an den folgenden Tagen. Dennoch ging es da gut ab.
Freitag
Vor dem Festival liefen wir nach Schwarzenholz, um unsere Vorräte zu füllen. Der Edeka hatte alles, was wir brauchten, aber scheinbar wurden extra für das Festival neue Preise eingeführt. Bis Mittags war der Boden halbwegs getrocknet, was Hoffnungen auf ein schlammfreies Konzert aufstiegen ließ.
Das mit den Preisen war aber keine Überraschung, viel mehr hatte uns ein gewisser Patrick am Donnerstag in einer Döner-Bude davor gewarnt und uns empfohlen in einen Rewe/Lidl(?) in Püttlingen(?) zu gehen, was wir dann auch gemacht haben. Aber allzuviel hatten wir dann doch nicht gekauft, weil wir schon genug zu tragen hatten. Schlammfrei war das Konzertgelände dann auch im Gegensatz zum Campingplatz, wo man sich am Freitag noch gut die Schuhe dreckig machen konnte.
Essen und Trinken gab es nur in der Festivalwährung, den Rocco-Coins (1 RC = 1,10€). Auf allen Getränken (1-3 RC) war 1 RC Pfand, was dazu führte, das zahlreiche Pfandjäger auf der Lauer nach stehen gelassenen Bechern waren. Nico hat im Laufe der beiden Tage über 20 Becher gefunden und eingetauscht! Eigene Getränke durften nicht mitgebracht werden und Flaschen zum Wiederverschließen gab es auch nicht. Die Getränke waren also nicht so recht festivaltauglich.
Wichtig ist hier auch noch, dass in einem Becher Cola (3 RC) sowie in einem solchen mit Wasser (2 RC) nicht mehr als 0,2 L drin waren. Also fast Garnichts.
Das Konzert eröffneten Tuned. Obwohl keiner die Songs kannte, konnte man in der Regel nach dem ersten Refrain gut mitsingen, die Stimmung war gut.
Danach kamen Stakeout, die vollmundig behaupteten, der beste Act auf dem Festival zu sein. Ich finde sie nahmen den Mund etwas sehr voll, weil ihre Performance mich nicht überzeugen konnte, unter anderem weil der Sänge ein paar Songs ablesen musste.
Tuned fand ich auch nicht schlecht, denn der Sänger hat gut angedeutet, wann man den Refrain singen muss und so war das kein Problem. Bei Stakeout fand ich zuviel Auswahl sowie ein Cover von Beds are Burning im Gegensatz zu ihren anderen Liedern ganz gut.
„Es hätte ein schöner Nachmittag werden können, aber es war Stakeout.“ (Sänger von Stakeout)
Daran reihte sich Muff Potter, die eines der letzten Konzerte vor ihrer Auflösung gaben. Ein paar Songs waren ganz gut, aber ansonsten war es eher weniger mein Fall.
Um 18:30 gab sich Samy Deluxe die Ehre und heizte den HipHop-Fans gut ein. Ich kann dazu wenig sagen, aber Nico fand es super und meinte, es wäre ein super Auftritt mit neuen und den besten älteren Songs. Das Einzige was ich dazu sagen kann: Der Gitarrist war sehr cool
Nach Samy kamen Anti-Flag und rockten die Bude mit wenig neuen [genau ein Lied], dafür aber umso mehr geilen Klassikern, dass man auch gut mitgröhlen konnte. Hier verweise ich zB auf das “wooooohoooooaaahoooooo” aus Cities Burn oder den Clash-Song Should I Stay Or Should I Go, die beide sehr gut abgingen 
Daneben kam noch eine kurze Ansprache zur Weltwirtschaftskrise und den anhaltenden Bonuszahlungen an Banker und Investoren, die das System überhaupt erst an die Wand fuhren. Weiterhin gab es einen fetten Circlepit unter der Vorraussetzung, die Hingefallenen wieder aufzuheben, auch wenn das selbstverständlich war.
Wo wir gerade dabei sind: Die Pogos sahen am Anfang schon sehr arg aus, aber wenn jemand hinfällt oder nicht mehr kann, wird ihm sofort geholfen. Der Teamgeist und die Rücksicht (abgesehen von ein paar Einzelexemplaren die besoffen einfach nur Krawall schieben) sind echt faszinierend!
Damit man sich das auch gut vorstellen kann, hier mal Live Videos von Muff Potter sowie Samy Deluxe. Bei Anti-Flag hatte ich das schöne Gefühl bekommen das richtige Bandshirt angezogen zu haben, einfach nur großartig! Ein googlen auf YouTube brachte ein paar Videos in beachtlich guter Qualität hervor, zum Beispiel Mind the GATT oder the Smartest Bomb, bei dem dann auch der Circlepit gestartet wurde (zwei weitere Perspektiven weiter weg von der Bühne). Should I Stay or Should I Go habe ich nicht Live von Rocco gefunden, dafür aber einen Mitschnitt der Warped Tour, bei dem auch eine ähnliche Rede über die Wirtschaftskriese zu hören ist (so ab 40 Sekunden). Es war einfach nur verdammt gute Stimmung!
Dann kam der erste Headliner: Rise Against. Am Anfang war ich etwas enttäuscht, weil sie fast nur neue Songs spielten, die nur wenige kannten und somit die Stimmung nicht ganz so super war, wie ich mir das erhofft habe. Allerdings ging es dann mit der Zeit immer weiter bergauf und bei Songs wie Prayer Of The Refugee, Dancing For Rain und Give It All ging dann auf dem Moshpit doch noch eine fette Pogo zu Publikumsgesang ab
Anti-Flag hat im Gegensatz zu Rise Against nur einen einzigen neuen Song gespielt, bei Rise waren es fast nur neue bis auf ungefähr vier, schon etwas schade. Hinzu kam, dass die Lyrics etwas komplexer sind und man den Refrain bei den meisten nicht einfach so Live mitsingen kann. Trotzdem war aber gegen Ende eine super Stimmung da, wie man sie in diesem Video von Give it All versucht hat einzufangen. Nach Rise Against konnte ich dann aber einfach nicht mehr stehen und bin dann Richtung Zelt gelaufen – wegen Deichkind war ich ja eigentlich nicht da und umkippen wollte ich auch nicht wirklich, auch wenn ich im Nachhinein gerne dabeigewesen wäre.
Zum guten Schluss kamen dann Deichkind, die das Jahr vorher schonmal auf RdelS waren. Von Deichkind kannte ich nur Remmidemmi und Arbeit Nervt und war auch nicht wirklich begeistert von ihnen, aber da die Show das Jahr zuvor scheinbar echt stark gewesen war, habe ich mir das auch mal angeschaut. Meine anfänglichen Zweifel verflogen schnellstens, da die Jungs echt den krassesten Scheiß auffuhren: Eine Riesenpyramide auf der Bühne, eine Wahnsinns-Lichtshow, Songs zum Mitgröhlen, Crowdsurfen im Schlauchboot mit Kissenschlacht und Trampoline und Hüpfburgen auf der Bühne sorgten für Megastimmung! Dazu hatten sie noch Dreieckshüte mit LEDs, die passend zum Song Ich und Mein Computer abdrehten. Spätestens als Deichkind die Menge fragten “wollt ihr mit uns ans Limit gehen?” gab es kein Halten mehr, das Publikum rastete einfach völlig aus. Was ich erst jetzt im Nachhinein gemerkt habe: In der Live-Version haben sie ihren Song Limit mit Rocker von Alter Ego gemixt. Sorgte auf jeden Fall für noch mehr guten Zunder!
Samstag
Am Morgen fuhren völlig überfrachtete Bus-Shuttles zum nächsten Freibad, damit man sich dort wenigstens duschen konnte. Wir blieben gleich etwas länger und chillten in der Sonne, die an diesem Tag besonders reinknallte.
Letzteres machte sich auch auf dem Festivalgelände bemerkbar. Der Schlamm war dem anderen Extrem gewichen – es staubte gewaltig. Dazu kam das Problem, dass man schlecht aus der Menge heraus kam um etwas zu trinken und man eigentlich gar nicht so viel zahlen konnte wie man trinken musste. Ich habe mir einfach ein Getränk geholt und dann an den Wasserhähnen bei den Klos (die im Gegensatz zu den Dixis auf dem Campingplatz wirkliche Klos mit fließendem Wasser waren) einen auf Free Refill gemacht.
Im Gegensatz zum Bus war das HallenFreibad nicht überfüllt, wie wir erst angenommen hatten. Dafür konnte man in einem Großen Becken und noch einem kleineren für Kinder lustig rumschwimmen (wobei wir nur im ersten waren), eine Wiese gab es natürlich auch. Zumindest ich selbst war dann aber wohl zu lange in der Sonne, wie ich dann Nachts bemerkte und habe leider den Free Refill Trick nicht angewendet, aber dazu später.
Wir übersprangen die ersten drei Konzerte und kamen erst später auf das Konzert, um später noch gut Power für die Headliner zu haben. Daher gibt es an dieser Stelle keine Kommentare zu Kid Chino, Jelly Toast und Baddies.
Der 4. Act war The Kilians, die für gute Laune sorgten und auch ihr Versprechen, sich bei guter Publikumsbeteiligung auszuziehen, einlösten.
Was mich bei Zebrahead erwartete wusste ich nicht, da ich von ihnen noch keine Live-Eindrücke von YouTube o.ä. hatte. Ihre Songs schlugen im Moshpit ein wie eine Bombe und Ansagen wie “[We are all good friends here, so ]if someone falls down, kick him really hard! … Just kidding, pick them up!” sorgten schnell für einen munteren Circlepit in den vorderen Reihen. Ein weiteres Bonbon war die Aufforderung, beim Song Playmate Of The Year statt “whoa, hey!” “whoa, Muschi!” zu rufen
Zebrahead aus Orange County, USA übertraf für mich alle Erwartungen. Die Refrains waren einfach mitzusingen, sie haben super Stimmung gemacht und ich habe sogar ein Plektrum (Stück Plastik, mit dem man bei Gitarren-ähnlichen Geräten über die Saiten streicht) gefangen. Diverse Worte und Wörter der deutschen Sprache haben sie wohl noch kurz vor dem Konzert von den Fans gelernt, wie mir Nico („und ich hab dem noch Lutsch meine Eier beigebracht“) und Adrian erzählt haben. Man konnte angeblich am Merchandising Stand für 5€ die neueste CD kaufen und signieren lassen… hätte ich das gewusst, ich hätte eine gekauft. Aber das Plektrum ist auch nicht schlecht. Playmate of the Year war echt der Höhepunkt, wer es noch nicht kennt, hier die Originalversion zum Vergleich.
Den nächsten Act bestritten Enter Shikari, die einen Mix aus Metal und Electro spielten. Ein paar Lieder gingen gut ab, aber es entsprach nicht ganz meinem Geschmack. Am Schluss flog das Handtuch des Sängers in die Menge, um das sich echt 5 Minuten lang gestritten wurde, am Ende waren nur noch Fetzen übrig, von denen Nico einen ergattert hat.
Danach war für die meisten eine Ruhepause angesagt, da Mia. spielte und bei vielen auf Ablehnung stieß, weil die Songs im Gegensatz zu den anderen eher weniger abgingen.
Bei Mia. sollte noch erwähnt werden, dass Adrian sich hier das ganze Konzert lang einen Free Refill nach dem anderen gegeben hat und dadurch gut fit blieb für Farin, während ich an einem Wellenbrecher war und nicht mehr stehen konnte. Da hat er wohl eindeutig die schlauere Wahl getroffen, aber mir war das auch erst nachher klar gewesen, weil das Konzertgelände so riesig war und der Handymast, der das Jahr über nur für eine Hand voll Bauern reichen muss, hoffnungslos überlastet war.
Als Headliner spielte das Farin Urlaub Racing Team, die für mich das absolute Highlight des Festivals waren. Die Songauswahl war super, das Racing Team ging ab wie Schnitzel, ich stand in der dritten Reihe in der Mitte und wir haben einfach nur dermaßen abgefeiert, obwohl nach jeder Pogo so viel Staub aufgewirbelt wurde, dass man für eine Minute lang nicht mehr atmen konnte, ohne Hustattacken zu bekommen. Thoughtcrime [hier] hat leider etwas arg viel Staub abbekommen und musste ins Rote-Kreuz-Zelt.
Die Laolas machten sehr viel Laune, vor allem die Laola, bei dem sich alle um sich selbst drehen mussten und Farin meinte: “Wie langweilig, geht das nicht auch in 4 Sekunden von vorne nach hinten?” 
Der Song Alle Dasselbe wurde zum Mitmach-Song, bei dem alle die Krähen, das Lachen, den Blitz etc. nachmachen mussten, wie Farin es denn gerne hätte und er sich dann selber beim Singen vor Lachen kaum einkriegte, ähnlich wie beim Song Krieg, bei dem wir nach jedem “Krieg” ein “Juhu!” bringen mussten.
Als die Band sich das erste Mal verabschiedete und alle mehr wollten, meinte Farin nur “ihr müsst doch eh nur zwei Mal Zugabe rufen dann komm ich wieder, ihr kennt mich doch!” 
Und wie versprochen gab es dann auch noch eine fette Zugabe, unter anderem mit Insel, Trotzdem und einer geänderten Version von Zehn, bei der es bei der Pogo hieß: “Springen, springen, springen – stehen bleiben – springen, springen, auf die Fresse fallen!” und damit als Abschluss noch einmal eine dicke Pogo einläutete.
Bevor FU** los ging, hatten Adrian und ich uns nochmal gefunden (Nico verloren wir irgendwie immer ziemlich schnell aus den Augen), und irgendwann ging es dann auch los. Super Stimmung von Anfang an („Seid ihr willenlos? [...] Könnt ihr es beweisen? [...] Macht mal eine Laola-Welle[...]„), aber viel zu viel verdammter Staub in der Luft. Letzterer zwang mich dann erneut Prioritäten zu setzen und deshalb bin ich während er Krieg spielte immer weiter weg von der Bühne gegangen (anfangs waren wir in der dritten Reihe vorne) und dann später vom Getränkestand zum DRK-Zelt gelaufen. Nico war so freundlich mich dann als das Racing Team fertig war abzuholen und darauf sind wir dann zu den Zelten gegangen.
Zu Sonntag hat ADI garnichts gebloggt, was vielleicht auch daran liegt, dass nicht viel passiert ist. Im Gegenteil, wir hatten die Züge etwas viel zu spät gebucht (Uhrzeit ist hier gemeint), da wir dank einem Taxi schon um ca. 13:00 am Bahnhof in Völklingen standen. Bis nach Saarbrücken ging es dann mit meinem Ticket, der Rest war aber zeitlich gebunden. Dafür gab es aber genug Zeit nochmal über das Festival und die besten Momente nachzudenken, die ich dann nutzen konnte – und schließlich bin ich dann nach Hause gefahren.
Heute (Montag) war dann erstmal ausschlafen angesagt und sich die Zeit nehmen, zeitversetzt mit Adi darüber zu bloggen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es war super und ich würde das jeder Zeit wieder machen, wenn auch nicht ganz so wie es gelaufen ist.
Update: Trayzard hat auf Firefly auch noch einiges geschrieben, vor allem zu Samy Deluxe, Rise Against, Zebrahead und Enter Shikari.